THE DELICATE BALANCE OF TERROR Maja Rohwetter + Knut Eckstein Vernissage am 31.05.2013 um 19 Uhr Donnerstag den 20. Juni 2013 um 19:30 Uhr, filmscreening und artist talk mit Juliane Zelwies 01.06.2013 Ð 29.06.2013 Sie zeigt aus Ihrer Videoarbeit "Meisterwerke", Las Meninas (Diego Vel‡squez) In Albert Wohlstetters Publikation "The delicate Balance of Terror" von 1958 wird vor dem Hintergrund der US-amerikanischen Verteidigungspolitik die Rolle der StabilitŠt der thermonuklearen Balance untersucht. Der Politikwissenschaftler diskutiert die Notwendigkeit dieser Balance einerseits als fragwŸrdig und riskant, andererseits aber auch als geeignetes Mittel zur Abschreckung. Die Malerin Maja Rohwetter und der Bildhauer Knut Eckstein beziehen sich in diesem Sinne auf eine Art des Terrors, der eine anhaltende Belastung beinhaltet - hierbei wird eine instabile und unsichere Situation erzeugt - eine empfindliche Balance. Die Bedingungen fŸr diese Art des Terrors kšnnen gesellschaftspolitischen wie psychosozialen Ursprungs sein. Knut Eckstein baut aus teilweise gefundenen "armen" Materialien wie Pappkartons, Plastikflaschen, Verpackungen aller Art, SchnŸren und Holzresten Objekte und Installationen, die oft unerreichbar hoch, an Decken, in Ecken, Ÿber SchrŠnken angebracht sind oder auf labilen Konstruktionen lagern. Diese Reste der Konsumgesellschaft werden oft brutal und nachlŠssig behandelt, stellenweise bemalt, umgeformt, verschnŸrt und von Zeichnungen oder Texten kommentiert - sie stellen in ihrer fragmentarisierten und rekombinierten Form nicht nur die Frage nach der bildhauerischen Ausdrucksmšglichkeit, sondern auch nach dem sozialen und politischen Zusammenhang. Maja Rohwetter malt RŠume und Szenarien, die sich aus bekannten Elementen der realen Welt und konstruierten Elementen der virtuellen Welt zusammensetzen. Die Bildelemente oszillieren dabei zwischen Architektur- und Naturfragmenten, Strukturen aus Computerspielen und abstrakten Farbschlieren- und Flecken, die einer BewegungsunschŠrfe entstammen kšnnen, einem Fehler des Programms, einer †bergangszone, einer Soll- bruchstelle der RealitŠtsebenen. Die Wahrnehmung wird verunsichert und wir versuchen im Kopf ein Gesamtbild aus den malerischen HŠppchen zu entwickeln - das Ergebnis kšnnte lauten: "Schwebende Farbknšdel mit unregelmŠssig tektonischer Form vor romantisch-apokalyptischem Himmel" - oder, in der Version der KŸnstlerin: "agglomerated disbelief". FŸr die Ausstellung haben beide KŸnstler neue Arbeiten entwickelt, die sich mit instabilen und unsicheren Situationen auseinandersetzen, mit zerbrechlichen, bedrohlichen und provisorischen Systemen als Teil unseres Alltags. Teilaspekte der realen Welt verbinden sich mit Strukturen der virtuellen Welt und der kŸnstlerisch gestalteten Welt zu einem Agglomerat poetischer AbsurditŠt vor dem Hintergrund gesellschaftspolitischer Lebenswirklichkeit. Gabriele KŸnne 2013